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  • Das Patriachat am Stundenplan

    Das Patriachat am Stundenplan

    In wenigen Tagen ist es wieder so weit: Die Schule beginnt und somit steigt auch der Mental Load und die unbezahlte Carearbeit – hauptsächlich von Frauen. Denn laut dem Österreichischen Institut für Familienforschung sehen sich nur 11 Prozent der Väter als Hauptverantwortliche für die Kommunikation mit der Schule oder schulische Belange. Das bedeutet, den Löwenanteil tragen wie so oft die Mütter.

    Elternabende, Schulveranstaltungen, Lehrer*innengespräche, Unterstützung bei den Hausaufgaben und beim Lernen, Fahrdienste, Organisation von Schulmaterialien – das alles und noch viel mehr hängt ab September wieder überwiegend an Frauen, die das alles neben der eigenen Erwerbsarbeit und dem Haushalt mitschupfen. 

    Am Land ist dann auch noch die Nachmittagsbetreuung zu organisieren, da Betreuungsplätze fehlen und Eltern den Nachmittag mit abdecken müssen. Nur zwischen 18 und 25 Prozent aller Schüler*innen am Land sind in Ganztagsschulen bzw. in einer schulischen Nachmittagsbetreuung untergebracht.  

    Schule macht Gender-Care-Gap noch sichtbarer

    Wenn der Unterricht um 12:00 Uhr endet, wird der Stundenplan schnell zur Gleichstellungsbremse. Die entstehende Betreuungslücke wird innerhalb der Familie geschlossen – und noch immer sind es überwiegend Frauen*, die diese Rolle übernehmen und dafür ihre Vollzeitstellen gegen eine Teilzeitstelle tauschen oder gar komplett aus dem Beruf aussteigen. Fehlende Betreuungsinfrastruktur trägt somit dazu bei, traditionelle Rollenverteilungen zu verfestigen. 

    Der Gender-Care-Gap ist nicht (nur) das Ergebnis persönlicher Entscheidungen. Politische und infrastrukturelle Rahmenbedingungen bestimmen mit, wer Zeit für Erwerbsarbeit hat und wer sich nach Kindergarten- und Schulschluss richten muss. Ein flächendeckendes, ganztägiges und ganzjähriges Betreuungsangebot ist damit nicht nur Familienpolitik, sondern eine wesentliche Voraussetzung für echte Gleichstellung.

    Vom Gender-Care-Gap über den Gender-Pay-Gap hin zum Gender-Pension-Gap 

    Die Folgen für die Frauen, die die Betreuung übernehmen: weniger Geld, schlechtere Karrierechancen, weniger Beitragsjahre, niedrigere Pensionen u. v. m. Laut Arbeiterkammer Wien liegt die Teilzeitquote von Frauen in Regionen mit geringerer Bevölkerungsdichte bei fast 55 Prozent, in bevölkerungsreichen Regionen hingegen bei „nur“ 45 Prozent. 

    Teilzeitarbeit kann eine bewusst gewollte und frei gewählte Entscheidung sein. Wenn sie allerdings strukturell entsteht, wird sie zum Problem: in erster Linie zu einem ganz persönlichen Problem mit fatalen Auswirkungen für Frauen.

    Betreuungslücken endlich schließen

    Ein flächendeckendes, leistbares, ganztägiges und ganzjähriges Betreuungsangebot ist nicht nur eine Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es ist eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Unabhängigkeit und tatsächliche Gleichstellung. Solange Betreuungslücken vorwiegend von Frauen geschlossen werden, bleibt auch das Patriarchat weiterhin am Stundenplan.

    Verfasst von: Manuela