Autor: miriam

  • How To | Mobilisierung im Freund*innenkreis

    How To | Mobilisierung im Freund*innenkreis

  • Empfehlungen zur Strand- oder Daheimlektüre

    Empfehlungen zur Strand- oder Daheimlektüre

  • Es ist heiß und ich bin es auch

    Es ist heiß und ich bin es auch

    Unsere Körper schwitzen, wir haben heute beinahe genug getrunken, unsere Organe arbeiten Sonderschichten und unser Kopf kommt nicht hinterher. Ich bin heiß, die perverse Orgie draußen auf den Straßen macht mich an.

    Um das kurz klarzustellen: Als Frau* und als Mensch bin ich natürlich ein körperliches, sexuelles Lebewesen. Das zeigt sich nicht an kurzen Sommerröcken oder anderen Oberflächlichkeiten, sondern an ganz einfacher Lust. 

    Ich spreche nicht von der Hitze in meinem Schritt, sondern von der Hitze in meinem Kopf. Unsere Körper sind nicht heiß, weil das Leben gerade so sexy ist, sondern weil der Sommer und der Klimawandel unsere Köpfe ficken.

    Der alltägliche Stress mit Familie, Arbeit und System rauscht immer gleichbleibend und viel zu schnell durch unsere Gemüter und irgendwo bleibt der kühle Kopf dann auf der Strecke. Erwiesenermaßen: Hitzestress verringert die emotionale Schwelle und Reize führen schneller zur Überreizung. Aggressivität, Gewalttaten, Depressionen und Suizide nehmen bei Hitze zu.

    Wenn ich ein Mann wäre, wäre ich als Junge erzogen worden, der wütend sein durfte (auf gar keinen Fall traurig, denn weinen tun nur Mädchen, oder?). Aber ich wurde als Mädchen erzogen, das bereits in seinen ersten Lebensjahren lernt, nachzugeben, still zu sein und unfaire oder schlimme Dinge hinunterzuschlucken.

    Und jetzt wäre ich gerne so sauer, dass ich gemeine Männer und Systeme anschreien könnte, aber stattdessen bin ich einfach nur sau heiß. In mir brodelt es, die Hitze schreibt Pickel auf meine Stirn – ich schaue in den Spiegel und sehe da fett stehen: „SCHEISSE”.

    In Wahrheit sitze ich hier, zwar mit wütend gekräuselten Augenbrauen, aber ich würde jeder und jedem gut geübt ins Gesicht lächeln. Selbst wenn die Person mir blöd kommen würde, würde ich freundlich bleiben, vielleicht verhandeln, im schlimmsten Fall schnell weggehen und Herzklopfen haben.

    Ich weiß, dass ich damit einer der Menschen bin, die der systematischen Ungerechtigkeit den Platz lässt, den sie sich seit viel zu langen Jahren breitbeinig und unberechtigt erlaubt. Vor einigen Jahrhunderten wurden Frauen*, die Widerworte und Stärke besaßen, gejagt.

    Diejenigen, die nicht in den Feuern der Kirchenmänner brannten, lernten, nicht aufzufallen, ihre weibliche Würde nicht zu zeigen und ihren Kindern Furcht statt Wut weiterzugeben.

    All das und noch einige andere Dinge haben uns heute so gemacht, wie wir sind. Ja, toll – und jetzt brennt eines dieser vielen alten Feuer in mir und ich bin (leise) echt sauer.

    Wie verdammt „aufgeklärt“ sind wir nach all dem eigentlich? Wir schwirren in unserer modernen, gefühlt allwissenden Zeit herum und merken nicht, wie heiß und faulig die alte Luft um uns herum ist.

    Neben der stumm schlummernden Wut über Ungerechtigkeiten spüre ich aber gleichzeitig das weiche Kitzeln einer leisen Stimme in mir. Sie denkt an die vielen Möglichkeiten und Aktionen, die sich durch die hier entstehende Frauen*gemeinschaft entwickeln können.

    Die Stimme malt dazu Bilder: Menschen, die sich in einem Park, einer Kneipe oder einer Aula treffen, um ihre Themen und Hemmungen zu bearbeiten. Vielleicht passiert es während einer Party, vielleicht wird es ganz klein im Garten einer Mitstreiterin sein. Egal wo, es beginnt immer mit ein oder zwei oder drei Frauen*, die einen Ball ins Rollen bringen. Monat für Monat können kleine und größere Treffen und Aufreger stattfinden und sich bis ins nächste Frühjahr weiter schaukeln.

    Wir dürfen nur nicht darauf warten, dass es von selbst passiert – jede* ist gefragt, ihren Teil, ihre Ideen und ihre Wünsche beizutragen und fließen zu lassen. Wann schnappst du dir eine Freundin, Nachbarin oder Kollegin und übst mit ihr weibliche Wut oder organisierst ein kleines Picknick? Oder ihr sprecht einfach mal laut über Strukturprobleme, Frauenhass, Hass gegen Menschen im Allgemeinen und über neue Wege (denn Worte haben Macht!).

    Und weil es draußen nun wirklich heiß ist und unsere Körper sich schwer tun: Damit unsere Köpfe und Emotionen an heißen Tagen nicht unkontrolliert überkochen, hier noch einmal die alten mütterlichen Tipps:

    Trink Wasser. Geh in den Schatten. Hast du einen Hut dabei? Kühl dich ab! Geh streiken! Denk an Systemwandel! Sei Feministin*

    Quelle: Hitzestress

    Text verfasst von: Regina