Wenn du diesen Newsletter liest, bist du ja bereits angedockt an unserem gemeinsamen Vorhaben: FRAUEN*streiken Österreich. Es gibt viel zu tun und noch mehr zu ändern. Und das gelingt am besten, wenn wir möglichst viele Menschen an Bord holen. Nur wie? In unserem Newsletter erscheinen nun regelmäßig Rezepte, wie jede* von uns dazu beitragen kann, dass möglichst viele Frauen* am 03.05.2027 streiken.
Teil 1: Das Prinzip Tupperware-Party
Es gibt keinen Grund, erfolgreiche Mobilisierungsstrategien kapitalistischen Unternehmen zu überlassen. Die Firma Tupperware steht mit ihren bunten Kunststoff-Behältern symbolisch für den American Dream, die scheinbar heile Welt der Vorstadt-Hausfrauen der 1950er-Jahre und die beginnende Konsumgesellschaft der Nachkriegszeit.
Das Geheimnis ihres Erfolgs verdankt die Firma ihrer Mitbegründerin Brownie Wise, die mit dem „Home Party Plan“ eine innovative Vertriebspraktik entwickelt hat.
Nach dem Franchiseprinzip warben Verkäuferinnen in ihrem persönlichen Umfeld Frauen an, die dann wiederum ihre Freundinnen, Nachbarinnen, Schwestern und Tanten zu Tupperware-Parties in ihre Wohnzimmer einluden, um die berühmten Plastikbehälter zu verkaufen.
Kritik an der kapitalistischen Inwertsetzung sozialer Beziehungen, Konsum als Statussymbol, und an der Allgegenwärtigkeit von Plastik und seinen ökologischen Folgen ist wichtig und legitim – kann aber an dieser Stelle im Sinne des Zum-Punkt-Kommens getrost ausgeklammert werden.
Denn: „In den besten Zeiten sollen knapp zwei Millionen Kundinnen jährlich an Tupper-Partys teilgenommen haben.“* Wie ist dieser Erfolg zu erklären?
Das Geheimnis der Tupper-Partys ist so simpel wie genial: Persönliche Empfehlungen, Vertrauen und das Gemeinschaftsgefühl im Freund*innen- und Familienkreis leisten unschlagbare Überzeugungsarbeit.
Was heißt das für uns? Es bedeutet, DU bist die beste Multiplikatorin für FRAUEN*streiken. Dein Engagement, deine Erfahrungen und Motivationen sind das, was am ehesten auch die Frauen in deinem Umfeld dazu bewegen wird, mitzumachen. Wie also den Funken überspringen lassen?
Du ahnst es: Schmeiß’ deine eigene Tupper-Party, – FRAUEN*streiken Edition!
How To:
Step 1: Lade deine Freundinnen, ihre Mütter und Töchter, deine Nachbarinnen, Bekannte oder Arbeitskolleginnen zu dir nach Hause ein.
Step 2: Kredenze nach Lust und Laune Kuchen, Saft, Snacks und/oder Spaßgetränke. Pro-Tipp: Vorbereitungen wie Einkaufen, Kochen und Putzen empfiehlt es sich, nach Möglichkeit an männliche Mitmenschen im häuslichen Umfeld zu delegieren.
Step 3: Be the Messenger! Erzähle von Frauen*streiken, wie du darauf aufmerksam geworden bist und was dich motiviert hat, dich zu engagieren. Sprecht über eure geteilten Erfahrungen, was euch beschäftigt und belastet. Träumt von einer besseren Welt, seid wütend, lacht miteinander.
Um das Gespräch zu starten, könntest du:
– einen Trailer des Films „Ein Tag ohne Frauen“ zeigen, der den geschichtsträchtigen Frauenstreik in Island von 1975 behandelt.
– das Infomaterial von FRAUEN*Streiken herzeigen, das unsere Pläne und Motivationen zusammenfasst.
– eine Umfrage unter den Anwesenden starten, wann sie sich zuletzt gedacht haben „WTF, wäre ich ein Mann, wäre mir DAS nie passiert.“
Die Möglichkeiten sind endlos. Die Autorin dieser Zeilen plant etwa eine popkulturell inspirierte Powerpoint-Präsentation als Einstieg für ihre persönliche FRAUEN*streiken-Party, die sie bei Interesse gerne zur Verfügung stellt.
Step 4: Dokumentiere den Abend und schick uns deinen Erfahrungsbericht (mit Einwilligung der Anwesenden gerne auch mit Fotos), um andere Frauen* zur Nachahmung zu motivieren.
Step 5, der wichtigste von allen: Genieße einen gemütlichen Abend in der Gesellschaft der tollen Frauen in deinem Umfeld. Female Pleasure is revolutionary!
Text verfasst von: Miriam
*Quelle: „Pffffffffft!“, Klaus Nüchtern, FALTER 17/23
Autor: miriam
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How To | Mobilisierung im Freund*innenkreis
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Empfehlungen zur Strand- oder Daheimlektüre
Der Sommer lädt dazu ein, sich ein Buch zu schnappen und unter dem Sonnenschirm am Strand oder Balkon, im schattigen Park oder im kühlen Haus in eine andere Welt zu versinken.
Lesen kann aber auch inspirieren und Neues lehren. Ob selbst gekauft, in der Bibliothek geborgt, mit Bekannten getauscht oder als Hörbuch gelauscht - hoffentlich ist in dieser kleinen bunten Sammlung etwas für dich dabei!
Bei der Hitze in unserem Land klingt für die* ein oder andere ein Aufenthalt in Island sicherlich verlockend - und noch dazu sind die Lebensbedingungen für Frauen* in Hinsicht auf Gleichberechtigung besser - doch wie funktioniert das? Islands ehemalige First Lady Eliza Reid interviewte einige außergewöhnliche Isländerinnen und veröffentlichte die inspirierenden Geschichten in ihrem Buch „Das Geheimnis der Isländerinnen“.
Nicole Seifert behandelt in „Frauen Literatur. Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt“ die Rollen der Frauen und Männer in der Literatur und analysiert, wie es dazu kommt, dass selbst heute noch kaum Bücher von Frauen* in der Schullektüre behandelt werden und viel weniger Männer* zu Büchern von Autorinnen* greifen.
Ein spannendes, leicht zu lesendes Buch ist „Beklaute Frauen“ von Leonie Schöler, die die Geschichte von vergessenen und unterdrückten Frauen der letzten 200 Jahre aufrollt.
Ulli Lust veröffentlichte mit „Die Frau als Mensch. Am Anfang der Geschichte“ einen Sachcomic, der ebenfalls in die historische Rolle von Frauen in der Gesellschaft blicken lässt.
Mit Franka Freis „Periode ist politisch“ werden viele bedeutende Fakten aufgezeigt über ein Thema, das circa die Hälfte der Weltbevölkerung direkt betrifft und dennoch tabuisiert und stigmatisiert wird. Spannend!
Der Missbrauch von Gisèle Pelicot durch ihren Ex-Mann und weitere 50 Männer ist wohl an niemandem vorbeigegangen, mit dem Buch „Eine Hymne an das Leben” beschreibt sie ihre Erlebnisse und zeigt, wie sie dennoch Lebensfreude und Hoffnung behielt - eine kraftvolle Publikation!
Mit Themen wie Scham, sexuelle Neugier und Macht regt auch Annie Ernaux zum Nachdenken an. In ihrer autobiografischen Novelle „Erinnerung eines Mädchens“ lässt sie in den Sommer eines 18-jährigen Mädchens, das 1958 Kinderbetreuerin in einem Feriencamp in Frankreich ist, eintauchen - aufwühlend und erstaunlich zeitlos.
Und zum Abschluss: Barbara Blahas Sachbuch, aus dem sicher jede*r etwas mitnehmen kann: „Funkenschwestern. Wie Feminismus alles besser macht“ befasst sich mit genau den Themen unserer Kernbotschaft zum FRAUEN*Streiken am 3.5.2027:
Zeit. Geld. Gerechtigkeit.
Text verfasst von: Hannah -

Es ist heiß und ich bin es auch
Unsere Körper schwitzen, wir haben heute beinahe genug getrunken, unsere Organe arbeiten Sonderschichten und unser Kopf kommt nicht hinterher. Ich bin heiß, die perverse Orgie draußen auf den Straßen macht mich an.
Um das kurz klarzustellen: Als Frau* und als Mensch bin ich natürlich ein körperliches, sexuelles Lebewesen. Das zeigt sich nicht an kurzen Sommerröcken oder anderen Oberflächlichkeiten, sondern an ganz einfacher Lust.
Ich spreche nicht von der Hitze in meinem Schritt, sondern von der Hitze in meinem Kopf. Unsere Körper sind nicht heiß, weil das Leben gerade so sexy ist, sondern weil der Sommer und der Klimawandel unsere Köpfe ficken.
Der alltägliche Stress mit Familie, Arbeit und System rauscht immer gleichbleibend und viel zu schnell durch unsere Gemüter und irgendwo bleibt der kühle Kopf dann auf der Strecke. Erwiesenermaßen: Hitzestress verringert die emotionale Schwelle und Reize führen schneller zur Überreizung. Aggressivität, Gewalttaten, Depressionen und Suizide nehmen bei Hitze zu.
Wenn ich ein Mann wäre, wäre ich als Junge erzogen worden, der wütend sein durfte (auf gar keinen Fall traurig, denn weinen tun nur Mädchen, oder?). Aber ich wurde als Mädchen erzogen, das bereits in seinen ersten Lebensjahren lernt, nachzugeben, still zu sein und unfaire oder schlimme Dinge hinunterzuschlucken.
Und jetzt wäre ich gerne so sauer, dass ich gemeine Männer und Systeme anschreien könnte, aber stattdessen bin ich einfach nur sau heiß. In mir brodelt es, die Hitze schreibt Pickel auf meine Stirn – ich schaue in den Spiegel und sehe da fett stehen: „SCHEISSE”.
In Wahrheit sitze ich hier, zwar mit wütend gekräuselten Augenbrauen, aber ich würde jeder und jedem gut geübt ins Gesicht lächeln. Selbst wenn die Person mir blöd kommen würde, würde ich freundlich bleiben, vielleicht verhandeln, im schlimmsten Fall schnell weggehen und Herzklopfen haben.
Ich weiß, dass ich damit einer der Menschen bin, die der systematischen Ungerechtigkeit den Platz lässt, den sie sich seit viel zu langen Jahren breitbeinig und unberechtigt erlaubt. Vor einigen Jahrhunderten wurden Frauen*, die Widerworte und Stärke besaßen, gejagt.
Diejenigen, die nicht in den Feuern der Kirchenmänner brannten, lernten, nicht aufzufallen, ihre weibliche Würde nicht zu zeigen und ihren Kindern Furcht statt Wut weiterzugeben.
All das und noch einige andere Dinge haben uns heute so gemacht, wie wir sind. Ja, toll – und jetzt brennt eines dieser vielen alten Feuer in mir und ich bin (leise) echt sauer.
Wie verdammt „aufgeklärt“ sind wir nach all dem eigentlich? Wir schwirren in unserer modernen, gefühlt allwissenden Zeit herum und merken nicht, wie heiß und faulig die alte Luft um uns herum ist.
Neben der stumm schlummernden Wut über Ungerechtigkeiten spüre ich aber gleichzeitig das weiche Kitzeln einer leisen Stimme in mir. Sie denkt an die vielen Möglichkeiten und Aktionen, die sich durch die hier entstehende Frauen*gemeinschaft entwickeln können.
Die Stimme malt dazu Bilder: Menschen, die sich in einem Park, einer Kneipe oder einer Aula treffen, um ihre Themen und Hemmungen zu bearbeiten. Vielleicht passiert es während einer Party, vielleicht wird es ganz klein im Garten einer Mitstreiterin sein. Egal wo, es beginnt immer mit ein oder zwei oder drei Frauen*, die einen Ball ins Rollen bringen. Monat für Monat können kleine und größere Treffen und Aufreger stattfinden und sich bis ins nächste Frühjahr weiter schaukeln.
Wir dürfen nur nicht darauf warten, dass es von selbst passiert – jede* ist gefragt, ihren Teil, ihre Ideen und ihre Wünsche beizutragen und fließen zu lassen. Wann schnappst du dir eine Freundin, Nachbarin oder Kollegin und übst mit ihr weibliche Wut oder organisierst ein kleines Picknick? Oder ihr sprecht einfach mal laut über Strukturprobleme, Frauenhass, Hass gegen Menschen im Allgemeinen und über neue Wege (denn Worte haben Macht!).
Und weil es draußen nun wirklich heiß ist und unsere Körper sich schwer tun: Damit unsere Köpfe und Emotionen an heißen Tagen nicht unkontrolliert überkochen, hier noch einmal die alten mütterlichen Tipps:
Trink Wasser. Geh in den Schatten. Hast du einen Hut dabei? Kühl dich ab! Geh streiken! Denk an Systemwandel! Sei Feministin*
Quelle: Hitzestress
Text verfasst von: Regina
