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Rede von der Kundgebung gegen Femizide in Graz

Verfasst von

Rosamaria Riegler

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Femizide sind der gewaltsame, endgültige Raub von Lebenszeit. Sie passieren nicht im passiven Sinne, sondern Frauen* wird ihre Lebenszeit gezielt, gewaltsam und aufgrund ihres Geschlechts genommen. Weil wir diesen Raub von Lebenszeit nicht schweigend hinnehmen, teilen wir hier das Manuskript der Rede von Aleksandra von der jüngsten Kundgebung gegen Femizide in Graz (07.09.2026). 

“Wir stehen heute hier, weil wir wütend sind. Schon wieder oder noch immer. Wir stehen heute hier, weil wir traurig sind, schon wieder oder noch immer. Die Zeitfenster zwischen den Femiziden fühlen sich an, wie ein ständiges Warten auf den nächsten. Denn dass er passiert ist mittlerweile in Österreich unfassbar traurige Realität – und scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.

Und genau das macht uns wütend.

Wir sind es leid, immer wieder für dieselben Grundrechte auf die Straße gehen zu müssen. Wir, Frauen* & FINTA Personen, sind es leid, Kämpfe austragen zu müssen, die eigentlich endlich von den Personen geführt werden sollen, die die Hauptverantwortung dafür tragen – Männer & Politiker*innen. Patriarchale Strukturen, patriarchale Gewalt, machen unser Leben unerträglich.

Ich bin es so leid, neben meinem Job, neben feministischer Erziehung meiner Söhne, neben Care-Arbeit auch noch diese Arbeit machen zu müssen, nämlich den Entscheidungsträger*innen in Österreich, den Männern und anderen Menschen, die mir erzählen, dass Feminismus ein Randphänomen ist, welches niemand mehr braucht, erklären zu müssen, wie stark wir alle täglich unter patriarchaler Gewalt leiden. 

Wie ungerecht das ist.
Wie müde es uns macht.
Und wie lange wir schon darauf warten, dass endlich gehandelt wird.

Erst vor wenigen Tagen hat wieder ein Mann hier in Graz eine Frau ermordet. Wieder ein Femizid. Wieder ein Leben, das ausgelöscht wurde, weil ein Mann Kontrolle und Besitzansprüche über einen weiblichen Körper stellen zu müssen glaubte.

Als Demobündnis 8. März Graz kämpfen wir seit Jahren Seite an Seite für Geschlechtergerechtigkeit. Wir protestieren, wir organisieren, wir klären auf, wir fordern Veränderungen. Wir geben nicht auf, egal, wie müde wir sind. Und wir wissen: Gewalt beginnt nicht erst mit einem Mord.

Sie beginnt dort, wo Kontrolle als Liebe verkauft wird.
Wo Besitzansprüche als Eifersucht entschuldigt werden.
Wo sexualisierte Gewalt verharmlost wird.
Wo Betroffenen nicht geglaubt wird.
Wo Männer lernen, dass Wut und Dominanz zu ihrer Rolle gehören.
Und wo Institutionen wegsehen, obwohl Betroffene längst um Hilfe bitten.

Deshalb kämpfen wir nicht nur gegen einzelne Täter. Wir kämpfen gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse, die patriarchale Gewalt hervorbringen und reproduzieren. Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der niemand Angst haben muss, Nein zu sagen. In der niemand seine Freiheit verliert, weil frau* eine Beziehung beendet. In der niemand aufgrund seines Geschlechts oder seiner Identität Gewalt erfahren muss. Und wir kämpfen dafür, dass Schutz vor Gewalt nicht davon abhängt, wie laut Betroffene ihre Not erklären können. Dass Hilfe nicht erst dann kommt, wenn es zu spät ist. Und dass politische Verantwortung nicht mit Betroffenheitsbekundungen endet.

Wir sind traurig und wütend zugleich.

Unsere Wut ist keine Resignation. Unsere Wut ist unser Antrieb.

Wir vom Demobündnis werden nicht leise sein. Wir werden nicht weichen, solange das System uns nicht schützt, schützen wir uns gegenseitig. Solidarität und Empathie sind unsere stärksten Waffen.

Wir bleiben laut. Wir bleiben solidarisch. Wir bleiben unbequem.”

Text von: Aleksandra

Femizid Graz Kundgebung
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