Kategorie: Newsletter

  • Es ist wieder Zeit für einen FRAUEN*Streik !!

    Es ist wieder Zeit für einen FRAUEN*Streik !!

    Liebe Komplizin, liebe Freundin des FRAUEN*Streiks, liebe Verbündete,

    FRAUEN*Streik
    24.10.2026 – 17-20h
    Parlament, Wien

    Eine feministische Intervention für Geschlechtergerechtigkeit
    Ein Tag für FRAUEN* FLINTA und ihre Kompliz:innen

    FRAUENStreik ist eine feministische Intervention wider die Ungleichheit. Wir Frauen, wir FLINTA, wir nonbinäre Menschen haben uns nun mindestens 150 Jahre den Mund fusselig geredet, um nur wenige Millimeter voran zu kommen. Es reicht ! wir haben GENUG ! Wir STREIKEN !! FRAUENStreik ist inspiriert vom isländischen FrauenStreik, der sich am 24. Oktober 2026 zum 51. Male jährt. Dieser historische Streik leitete einen gesellschaftlichen Wandel ein, der Island heute zu jenem Land macht, in dem weltweit die größte Geschlechtergerechtigkeit herrscht. Das wollen wir auch ! Hier !! jetzt und sofort !!

    Wir treffen uns am 24.10.2026 um 17h vor dem Parlament in Wien, legen unsere Arbeit und uns selbst nieder und frönen laut und lustvoll dem : STREIKEN ! NIXTUN !! und FEIERN !!! Wir zelebrieren mit zärtlichem Herzen einen Tag für FRAUEN* FLINTA und ihre Kompliz:innen. Wir zeigen uns und der Welt, dass alles stillsteht, wenn wir FRAUEN* unsere bezahlte und vor allem unbezahlte Arbeit niederlegen und die aufrechterhaltende Zusammenarbeit mit Patriarchat und Kapitalismus radikal verweigern. Wir streiken so lange, bis unsere Forderungen endlich erfüllt sind !! oder wir leider das ganze Land lahmlegen müssen.

    Zu den Waffeln !
    Mach mit ! Sei dabei !! Werde Teil des großen Aufstandes der 52% !!
    Hoch lebe der weltweite FRAUEN*Streik !! Hoch lebe die goldene Revolution !!
    Wir sind mächtiger als irrglaubt !

    Wir hoffen in diesem Anliegen auf Deine Kompliz:innenschaft !
    Wir freuen uns auf eine Antwort an : komplizin@frauenstreik.at

    Mit herzlichen Grüßen
    FRAUEN*Streik
    frauenstreik.at
    komplizin@frauenstreik.at

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    Gerne kannst du uns auch vorab ein Statement für web und social media schicken:

    • ein Testimonial in schriftlicher Form (gerne mit einem Foto) oder
    • ein kurzes social media Video (max. 1 Minute) schicken

    und so als Multiplikatorin wirken.

    Ein Statement – aus deiner Sicht, aus deiner Subjektive – zu diesen Fragen :

    1. Warum ist FRAUEN*Streik wichtig, richtig, notwendig, unausweichlich ?
    2. Wofür streikst du ?

    Hier suchen wir Testimonials, Statements, Kurztexte, Kurzvideos, mini-Messages, 1 Satz Messages, social media clips und ähnliches, die wir auf unseren social media Kanälen oder auf unserer Website frauenstreik.at veröffentlichen können. Wähle selbst welche Frage du gerne beantworten möchtest, und in welcher Form oder welchem Format !

    Wir freuen uns auf eine Antwort an : sm@frauenstreik.at

    Mit herzlichen Grüßen
    FRAUEN*Streik
    frauenstreik.at
    komplizin@frauenstreik.at

  • Buchempfehlungen Oktober

    Buchempfehlungen Oktober

    Gerechte Lebenszeit beginnt mit einer Kindheit, in der alle Schulkinder frei von einengenden Rollenmustern aufwachsen dürfen. Wenige Wochen nach dem Schulstart stellen wir euch Kinderbücher vor, die Vielfalt sichtbar machen und Kindern Mut machen, ihren eigenen Weg zu gehen.
  • Die Zeit, die uns fehlt

    Die Zeit, die uns fehlt

    1973/74 diskutierte die Frauenbewegung über eine heiß umstrittene Forderung: Lohn für Hausarbeit. Ingrid Strobl, eine österreichische Journalistin, sprach sich damals dagegen aus. Nicht, weil Hausarbeit keine Arbeit wäre – sondern, weil sie fürchtete, ihre Bezahlung würde Frauen erst recht auf ihre Rolle im Haushalt festlegen.

    Besonders ein Satz von ihr ist dabei hängen geblieben: Strobl kritisiert, die Frau sei „automatisch Hausfrau, alles andere ist sie zusätzlich. So wird sie gesehen, erzogen, behandelt”. Wenn man sich die Lage der Frauen heute anschaut, kann man nur sagen: Unglaublich eigentlich, dass sich so wenig geändert hat. Strobl spricht damals schon von der Doppelbelastung und der „80-Stunden-Woche der berufstätigen Hausfrau und Mutter“!

    50 Jahre später können wir ihren Text auch aus einer anderen Perspektive lesen: Nicht nur als Auseinandersetzung darüber, was Hausarbeit wert ist, sondern auch darüber, wie unsere Zeit verteilt ist. Denn das Problem ist nicht, dass wir Zeit mit Haus- und Sorgearbeit verbringen. Das Problem beginnt, wenn dadurch Lebenschancen, Möglichkeiten, Kapital, Freiheit und Selbstbestimmung im Vergleich zu unseren männlich sozialisierten Mitmenschen verloren gehen. 

    Denn: Jede Stunde, die wir Frauen* mehr Zeit für Carearbeit aufwenden als Männer (und ja, Carearbeit ist absolut wichtig und wertvoll, das bleibt unbestritten), ist gleichzeitig eine Stunde, die uns für Arbeit und Karriere, Ehrenamt, politische Beteiligung, Bildung und Netzwerke, Freundschaften, Hobbys oder einfach für uns selbst weniger zur Verfügung steht.

    Und das fehlt uns am Ende des Tages. Ja, das holt uns ein, das prägt uns, das entscheidet über unseren Lebensweg –  – und das zeigt sich schwarz auf weiß am monatlichen Gehaltszettel.

    Ein Appell an euch: Lest euch den Text von Ingrid Strobl durch. Es kommt einem fast so vor, als wäre er heute geschrieben worden. Man spürt das Feuer, die Wut und die Verzwicktheit der Lage. Man spürt die große Ungerechtigkeit und die Verzweiflung. Und vor allem: Man spürt, dass wir uns in eine lange Reihe von Frauen einreihen, die bereits vor Jahrzehnten, ja Jahrhunderten, für dieselben Themen gekämpft haben, die dasselbe gefühlt haben und deren Kampf für Zeit – Geld – Gerechtigkeit wir heute stolz und eindringlich fortführen müssen. 

    Text von: Romi

    → Ingrid Strobl: Wider den Hausfrauenlohn! (1975)

  • CHECK-IN: Schutz auf Zeit

    CHECK-IN: Schutz auf Zeit

    Zwei bis vier Tage lang können Frauen ab sofort anonym und kostenlos in eines von 16 JUFA-Hotels ziehen, um sich eine Auszeit von der herausfordernden Beziehungssituation zu nehmen, ihre Lage in Ruhe einzuschätzen und sich professionelle Unterstützung zu holen.

    Der Weg ins Hotel ist einfach und niederschwellig. Eingecheckt wird online. 

    Auf https://beziehungs-check.at/ kann man einerseits einen Fragebogen ausfüllen, um seine Beziehung besser einzuordnen, oder gleich direkt mit dem Chatbot Bea chatten. Danach folgt ein Gespräch mit einer Fachkraft. In diesem Gespräch werden Bedarf, Sicherheit und Eignung für den Hotelaufenthalt geklärt. Wenn es passt, wird eine begleitete Hotel-Auszeit organisiert. 

    Wer lieber von Anfang an mit einer „echten“ Person sprechen möchte, kann täglich von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr unter 0800 204422 anrufen, um seine Situation zu schildern und Möglichkeiten zu besprechen.

    Weitere Schritte

    Während des Aufenthalts im Hotel beraten Mitarbeiter*innen der Frauenhäuser vor Ort oder online, nehmen eine Gefährdungseinschätzung vor und planen gemeinsam mit den Frauen weitere Schritte.

    Michaela Gosch, Geschäftsführerin der Frauenhäuser Steiermark: „Die Hemmschwelle, ein Frauenhaus zu kontaktieren, ist sehr groß. Unser Ziel mit ‚CHECK-IN‘ ist es, diese Barriere abzubauen. Das Hotel-Szenario bietet eine sozial akzeptierte, vollkommen unverdächtige Auszeit, die den Rechtfertigungsdruck gegenüber dem Partner nimmt. So gewinnen wir wertvolle Zeit in einem geschützten Raum und können im Bedarfsfall sofort den Übergang in unsere weiterführenden Schutzeinrichtungen einleiten.“

    Du kennst jemanden, der eine kurze Auszeit nötig hat, oder du möchtest “CHECK-IN” bekannter machen? Dann teile den Beitrag oder sende den Newsletter weiter! 

    Verfasst von: Manuela

  • Rede von der Kundgebung gegen Femizide in Graz

    Rede von der Kundgebung gegen Femizide in Graz

    Femizide sind der gewaltsame, endgültige Raub von Lebenszeit. Sie passieren nicht im passiven Sinne, sondern Frauen* wird ihre Lebenszeit gezielt, gewaltsam und aufgrund ihres Geschlechts genommen. Weil wir diesen Raub von Lebenszeit nicht schweigend hinnehmen, teilen wir hier das Manuskript der Rede von Aleksandra von der jüngsten Kundgebung gegen Femizide in Graz (07.09.2026). 

    “Wir stehen heute hier, weil wir wütend sind. Schon wieder oder noch immer. Wir stehen heute hier, weil wir traurig sind, schon wieder oder noch immer. Die Zeitfenster zwischen den Femiziden fühlen sich an, wie ein ständiges Warten auf den nächsten. Denn dass er passiert ist mittlerweile in Österreich unfassbar traurige Realität – und scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.

    Und genau das macht uns wütend.

    Wir sind es leid, immer wieder für dieselben Grundrechte auf die Straße gehen zu müssen. Wir, Frauen* & FINTA Personen, sind es leid, Kämpfe austragen zu müssen, die eigentlich endlich von den Personen geführt werden sollen, die die Hauptverantwortung dafür tragen – Männer & Politiker*innen. Patriarchale Strukturen, patriarchale Gewalt, machen unser Leben unerträglich.

    Ich bin es so leid, neben meinem Job, neben feministischer Erziehung meiner Söhne, neben Care-Arbeit auch noch diese Arbeit machen zu müssen, nämlich den Entscheidungsträger*innen in Österreich, den Männern und anderen Menschen, die mir erzählen, dass Feminismus ein Randphänomen ist, welches niemand mehr braucht, erklären zu müssen, wie stark wir alle täglich unter patriarchaler Gewalt leiden. 

    Wie ungerecht das ist.
    Wie müde es uns macht.
    Und wie lange wir schon darauf warten, dass endlich gehandelt wird.

    Erst vor wenigen Tagen hat wieder ein Mann hier in Graz eine Frau ermordet. Wieder ein Femizid. Wieder ein Leben, das ausgelöscht wurde, weil ein Mann Kontrolle und Besitzansprüche über einen weiblichen Körper stellen zu müssen glaubte.

    Als Demobündnis 8. März Graz kämpfen wir seit Jahren Seite an Seite für Geschlechtergerechtigkeit. Wir protestieren, wir organisieren, wir klären auf, wir fordern Veränderungen. Wir geben nicht auf, egal, wie müde wir sind. Und wir wissen: Gewalt beginnt nicht erst mit einem Mord.

    Sie beginnt dort, wo Kontrolle als Liebe verkauft wird.
    Wo Besitzansprüche als Eifersucht entschuldigt werden.
    Wo sexualisierte Gewalt verharmlost wird.
    Wo Betroffenen nicht geglaubt wird.
    Wo Männer lernen, dass Wut und Dominanz zu ihrer Rolle gehören.
    Und wo Institutionen wegsehen, obwohl Betroffene längst um Hilfe bitten.

    Deshalb kämpfen wir nicht nur gegen einzelne Täter. Wir kämpfen gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse, die patriarchale Gewalt hervorbringen und reproduzieren. Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der niemand Angst haben muss, Nein zu sagen. In der niemand seine Freiheit verliert, weil frau* eine Beziehung beendet. In der niemand aufgrund seines Geschlechts oder seiner Identität Gewalt erfahren muss. Und wir kämpfen dafür, dass Schutz vor Gewalt nicht davon abhängt, wie laut Betroffene ihre Not erklären können. Dass Hilfe nicht erst dann kommt, wenn es zu spät ist. Und dass politische Verantwortung nicht mit Betroffenheitsbekundungen endet.

    Wir sind traurig und wütend zugleich.

    Unsere Wut ist keine Resignation. Unsere Wut ist unser Antrieb.

    Wir vom Demobündnis werden nicht leise sein. Wir werden nicht weichen, solange das System uns nicht schützt, schützen wir uns gegenseitig. Solidarität und Empathie sind unsere stärksten Waffen.

    Wir bleiben laut. Wir bleiben solidarisch. Wir bleiben unbequem.”

    Text von: Aleksandra

  • Drei Gedichte zum Innehalten.

    Doris Dirnberger schreibt über Zeit – wem sie gehört und was sie mit uns macht.

    LEBEN

    das leben rinnt an uns hinab wie honig
    golden, süss und zäh

    und bleibt etwas hängen

    ein mensch, gedanken
    gefühle, ein weh

    so sickert es ein
    nimmt gefangen

    durchtränkt
    unser sein

    LEBENSzeit

    der regen flüstert, tuschelt, klopft
    und nicht ein stern der wacht
    das wasser zeichnet, rinnt und tropft
    ich will nicht schlafen heute nacht

    kostbar und so leicht vergeudet
    erscheint mir jede stunde heut
    was ist wichtig-wer entscheidet
    wer genießt und wer bereut

    wie viel zeit ist mir gegeben
    wer weiß wie lange meine kerze brennt
    wie bunt noch dieses eine leben
    und keiner der die antwort kennt

    zeit

    ich glaube nicht daran
    dass die zeit
    unsere wunden heilen kann

    meisterhaft
    mit
    kleisterkraft
    beklebt sie tag für tag
    was uns verletzt

    wiegt uns in sicherheit
    bis etwas kommt

    das all das schützende herunter fetzt

  • Unsichtbare Zeit

    Unsichtbare Zeit

    Rennrad fahren – eine sehr spezielle und männerlastige Bubble. Und trotzdem: Ich liebe das Fahren! Es fühlt sich so frei an!

    Bis zum ersten Catcalling. Männer, die zu lang und zu dicht hinter mir fahren, um mich dann mit dem Spruch „Die Aussicht war so toll!“ zu überholen. Bis ich von einem Mann auf einem E-Bike verfolgt wurde, der so dicht aufgefahren ist, dass er mich jederzeit am Hintern hätte packen können. Auch wenn ich solche Situationen schon oft erlebt habe, bin ich jedes Mal überfordert und ärgere mich, dass ich mit Flucht und nicht mit Gegenwehr reagiere. Und so wurde das Radfahren, das ich bis dato nur mit einem Gefühl von Freiheit verbunden habe, wie schon so viele andere Lebensbereiche, mit Unsicherheit und Angst versehen. Und das macht mich wütend! Diese Erfahrungen hindern mich natürlich nicht daran, weiter Rad zu fahren, aber sie führen dazu, dass es sich nicht mehr ganz so unbeschwert anfühlt.

    Dieses Jahr habe ich meinen ersten kleinen Solo-Bikepacking Trip gemacht. Und sowohl bei der Planung der Route und Unterkunft als auch während der Fahrt und danach hat für mich der Aspekt meiner eigenen Sicherheit die größte Rolle gespielt: Welche Route fahre ich? Am besten eine gut befahrene. Welche Unterkünfte buche ich? Nicht nur nach dem Preis gucken, sondern auch danach, wo ich mich nach den Bildern und der Umgebung hoffentlich sicher fühlen werde. Auch während meiner Tour habe ich gemerkt, wie ich mich umgeschaut und die Gegend gescannt habe, sobald jemand hinter mir gefahren ist. Oder dass ich mich in einer Unterkunft unwohl gefühlt habe, weil dort sehr viele biertrinkende Männer waren. Und in dem Zimmer mir gegenüber eine Truppe von fünf bis sechs Männern untergebracht war, mit denen ich mir das Bad teilen musste. Am Ende ist nichts passiert und es war eigentlich alles ok. Mein kleiner Solo-Trip war richtig schön und hat mir mega viel Spaß gemacht. Trotzdem kann man als Frau potenzielle Gefahren nie ausschließen. 

    Aber was hat meine Rennrad-Experience eigentlich mit Zeit zu tun? Das habe ich mich anfangs auch gefragt, bis ich mich mit einer anderen Frau darüber unterhalten habe. Denn all das, die Überlegungen, vor meinem Trip zu Route und Unterkunft, das aufmerksame Wahrnehmen der Umgebung, die Gedanken danach, warum ich mich in manchen Situationen nicht sicher gefühlt habe – all das bindet Zeit und Energie. Zeit, die Frauen* aufbringen müssen, weil sie Frauen* sind.

    Wenn es um geschlechterspezifische Zeitgerechtigkeit, um feministische Zeitpolitik, also die zeitliche Dimension von Geschlechterungleichheit, geht, dann wird in der Literatur zumeist die Verteilung von bezahlter Zeit in Form von Erwerbsarbeit und unbezahlter Zeit in Form von Care Arbeit, welche die Zeit für den Haushalt, die Kindererziehung, die Pflege von Angehörigen und ehrenamtliche Tätigkeiten betrifft, diskutiert. Auch im Jahr 2026 ist mehr als die Hälfte der Arbeitszeit von Frauen unbezahlt, Männer betrifft das nur zu einem Drittel. Frauen leisten täglich fast zwei Stunden mehr unbezahlte Arbeit als Männer (vgl. Statistik Austria 2023). Bereits die ersten Zeitverwendungserhebungen in den Jahren 1981 und 1992 in Österreich haben einen Zusammenhang zwischen Geschlechterrollen und Zeitverteilung gezeigt. Frauen, die vorwiegend für Hausarbeit und Sorgearbeit zuständig waren, hatten Zeitdruck und dadurch weniger Zeit für Erholung, Freizeit und persönliche Interessen (vgl. Heck & Witzani-Haim 2023, S. 75). Das hat sich auch in der Erhebung 2021/2022 nicht geändert: Frauen* und Mädchen* verbringen über alle Altersgruppen hinweg weniger Zeit mit Freizeitaktivitäten und sozialen Kontakten als Männer und Jungen. 26% der Frauen und Mädchen (ab zehn Jahren) stehen (fast) immer unter Zeitdruck. Bei Männern und Jungen sind es 22% (vgl. Statistik Austria 2023). Diese Ergebnisse zeigen die Ungleichheit von Zeit in Abhängigkeit vom Geschlecht und verdeutlichen damit Zeitarmut und Zeit(un)gerechtigkeit (vgl. Heck & Witzani-Haim 2023, S. 75).

    Grundsätzlich stehen allen Menschen 24 Stunden pro Tag zur Verfügung; das klingt erstmal fair. Aber diese Zeit wird aufgrund ihrer ungleichen Verteilung sehr unterschiedlich verwendet (vgl. Heck & Witzani-Haim 2023, S. 71). Ein selbstbestimmter Umgang mit der eigenen Zeit gestaltet sich insbesondere für Frauen* schwierig. Zum einen bestehen die von außen auferlegten Zeitzwänge, das betrifft u. a. die zunehmende Erwerbsbeteiligung von Frauen bei gleichbleibender Hauptverantwortung für die Care Arbeit (vgl. Beier 2023). Und zum anderen wird die Freiheit der Entscheidung, wie frau* mit der eigenen Zeit umgehen will, durch beispielsweise notwendige Vorkehrungen für ihre eigene Sicherheit beschnitten. Damit zeigt sich eine Zeitverwendung mit unterschiedlichen Freiheitsgraden je nach Geschlecht (vgl. Jurczyk 2000, S. 220). Wie viel Zeit wir haben und wie frei wir über diese Zeit verfügen können, hat maßgeblich damit zu tun, welche Verpflichtungen und Freiheiten wir haben und um wie viele Dinge wir uns kümmern müssen (vgl. Beier 2023). Zeitungerechtigkeit ist also nicht nur eine Frage der quantitativen Zeitverteilung, sondern auch der Freiheit der Einzelnen, Zeit nach den eigenen Bedürfnissen und Beziehungen gestalten zu können (vgl. Beier 2023).

    Die Zeit, die Frauen aufbringen müssen, um – so gut sie können – für ihre eigene Sicherheit zu sorgen, ist keine, die gezählt oder aufgewogen wird. Es handelt sich um unsichtbare Zeit! Es ist eine Zeit, die Frauen tagtäglich aufbringen müssen, verwoben in all ihren Alltagsabläufen. Zeit, die nie extra bedacht oder gezählt wird, aber für ihre eigene Sicherheit notwendig ist. Und dabei handelt es sich nicht nur um Zeit, sondern um Freiheit, um Selbstbestimmung. Zeitfragen bleiben immer auch Machtfragen (vgl. Völkle 2024).

    Deshalb, lasst uns laut werden! Lasst uns am 03.05.2027 gemeinsam auf diese unsichtbare Zeit, die Frauen täglich tragen, aufmerksam machen! 

    Verfasst von: Kathleen

    Literatur

    Beier, F. (2023). Zeitgerechtigkeit. Feministische Zeitpolitik und die Zeit der Sorge. Geschichte der Gegenwart. URL: https://geschichtedergegenwart.ch/zeitgerechtigkeit/ [13.09.2026].

    Heck, L. & Witzani-Haim (2023). Feministische Perspektiven auf Zeitverwendung und Zeitpolitik. Kurswechsel 2023(4), 71-81.

    Jurczyk, K. (2000). Zwischen Selbstbestimmung und Bedrägnis. Zeit im Alltag von Frauen. In Kudera, W. & Voß, G. G. (Hrsg.), Lebensführung und Gesellschaft. Beiträge zu Konzept und Empirie alltäglicher Lebensführung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften (S. 219 – 46). URL: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-322-95162-5_12.

    Statistik Austria. (2023, 18. Dezember). Frauen verbringen mehr Zeit mit Arbeit als Männer [Pressemitteilung].

    Völkle, H. (2024). Sorgende Zeit. Einführung in ein feministisch-ökologisches Zeitverständnis. Zeitschrift für Kritik, Recht, Gesellschaft. 2024 (3), 395-403. doi: https://doi.org/10.33196/juridikum202403039501 [13.09.2026].

  • Kärnten ist dabei: Unser erstes großes Vernetzungstreffen!

    Kärnten ist dabei: Unser erstes großes Vernetzungstreffen!

    Angefangen haben wir zu zweit, zu dritt. Zweimal haben wir uns im kleinen Kreis getroffen, einmal online und einmal live, und aus diesen ersten Gesprächen ist genug Schwung entstanden, um größer zu denken. Beim ersten offiziellen Vernetzungstreffen in Klagenfurt saßen dann rund 40 Frauen im Raum, die sich vorher großteils nicht kannten und die trotzdem sofort dieselbe Sprache gesprochen haben. Wir haben geredet, zugehört, uns kennengelernt und schnell gemerkt, wie unterschiedlich unsere Leben sind und wie oft wir am Ende doch dieselben Geschichten erzählen.

    Was in den zwei Stunden an Ideen entstanden ist, hat uns selbst überrascht. Frauen-Cafés in den Bezirken, Filmvorführungen von „Ein Tag ohne Frauen“ über den isländischen Frauenstreik, szenische Lesungen, Biografie-Workshops zu HERstory in Kultur und Wissenschaft, Kreativ-Workshops und Stilllegungen im öffentlichen Raum. Manche davon sind längst mehr als eine Idee. Es haben sich schon erste Kontakte geknüpft, einige Frauen sind selbst aktiv geworden und haben Aufgaben übernommen. Auch die slowenische Volksgruppe bringt sich großartig ein – und plant für den 28. September ein Vernetzungstreffen.

    Zum Abschluss haben wir als kleine Gruppe gemeinsam eine Stilllegung gemacht. Ein Moment, in dem mal nichts weiterläuft und in dem spürbar wird, worum es eigentlich geht. Das wollen wir zu unserem Ritual für die zukünftigen Netzwerktreffen machen.

    Jetzt geht es weiter. Am 5. Oktober treffen wir uns zum zweiten Mal und werden konkreter, mit Blick auf den 3. Mai 2027.

    Wenn du in Kärnten bist und dabei sein willst, egal mit wie viel Zeit: kaernten@frauenstreiken.at. Es ist Platz für alle Talente!

    Alles Liebe aus dem Süden,
    die Aktionsgruppe FRAUEN*Streiken Kärnten

  • How To – Kehrarbeit

    How To – Kehrarbeit

    Wie wichtig ist es, dass wir um uns Selbst kehren? Ich erzähle nicht vom Dreck unterm Esstisch sondern vom alten Muff von gestern und von 1000 Jahren und beginne mit einem Zitat:

    ‚Manchmal ist der Weg vor sich sehr lang. Dann eilst du, es wird aber nicht weniger und du bekommst es mit der Angst zu tun. Und dann bist du aus der Puste und der Weg ist immer noch nicht gekehrt. Also denke nicht die ganze Straße auf einmal.


    Nur an den nächsten Schritt,
    den nächsten Atemzug,
    den nächsten Besenstrich.


    Und immer wieder nur den Nächsten. Dann macht es Freude, das ist wichtig. Denn dann machst du deine Sache gut und so soll es sein.‘

    Momo, Michael Ende

    Wenn wir es machen wie Beppo aus Momo, oder vielleicht wie Pippa, Beppos Nichte, es heute ganz nach ihrer Familienweisheit mit uns macht: Hol dir den Besen aus der Ecke und kehre den Weg zur Gleichberechtigung. Kümmere dich zuerst um das Kehren vor der eigenen Haustüre. Damit meine ich nicht die Carearbeit für Kinder oder Männer oder Eltern, an der sowieso jede* arbeitet und wofür wir nebenbei Lösungen finden. Ich meine: Kehr for yourself.

    Wische den dichten Staub der Erwartungen von deinen Schultern, putze den schweren Dreck der Ungerechtigkeit von deinem Rücken. Spüle und kämme die Geister der Erniedrigung aus deinen Haaren und wasche die Konkurrenzgedanken von deinen Händen. Lass jeden Tag ein wenig Muff von gestern und vor eintausend Jahren mit dem alltäglichen Dreck unter den Nägeln wegwaschen.

    Und wenn du dich vor deiner Tür um dich kümmerst, es dir an deiner Schwelle gut genug geht, dann ist es leicht, Schritt für Schritt und Strich für Strich weiter zu wischen. Irgendwo auf diesem geteilten Weg treffen sich dann die kümmernden Frauen* mit ihren Besen. Gemeinsam immer einen Schritt, einen Atemzug, einen Besenstrich zu machen, lässt diese tausendjahrelange Straße zur Gleichberechtigung an uns vorüberziehen, bis wir irgendwann und irgendwo an der nächsten Straßenkreuzung angekommen sind.

    Wichtig ist, dass wir uns nicht an diese Ziele in der Ferne verlieren. Wichtig ist jede Einzelne von uns, die zuerst für sich selbst einsteht. Jede Einzelne, die sich Zeit nimmt fürs Abwaschen des aufgeladenen Schmutzes dieser vielen Jahre. Jede Einzelne, aus deren Selfcare die Kraft für unseren gemeinsamen Weg zur Gleichberechtigung wächst. Das hat viel mit Zeit und Prioritäten zu tun, die im Moment natürlich nicht einfach, auch nicht gerecht sind – dennoch liegt es in unseren eigenen Händen, damit zu tun, was uns und damit unserem Weg gut tut.

    ‚Dann macht es Freude. Das ist wichtig. Dann machen wir unsere Sache gut.‘

    Verfasst von: Regina

    
    
  • Das Patriarchat am Stundenplan

    Das Patriarchat am Stundenplan

    In wenigen Tagen ist es wieder so weit: Die Schule beginnt und somit steigt auch der Mental Load und die unbezahlte Carearbeit – hauptsächlich von Frauen. Denn laut dem Österreichischen Institut für Familienforschung sehen sich nur 11 Prozent der Väter als Hauptverantwortliche für die Kommunikation mit der Schule oder schulische Belange. Das bedeutet, den Löwenanteil tragen wie so oft die Mütter.

    Elternabende, Schulveranstaltungen, Lehrer*innengespräche, Unterstützung bei den Hausaufgaben und beim Lernen, Fahrdienste, Organisation von Schulmaterialien – das alles und noch viel mehr hängt ab September wieder überwiegend an Frauen, die das alles neben der eigenen Erwerbsarbeit und dem Haushalt mitschupfen. 

    Am Land ist dann auch noch die Nachmittagsbetreuung zu organisieren, da Betreuungsplätze fehlen und Eltern den Nachmittag mit abdecken müssen. Nur zwischen 18 und 25 Prozent aller Schüler*innen am Land sind in Ganztagsschulen bzw. in einer schulischen Nachmittagsbetreuung untergebracht.  

    Schule macht Gender-Care-Gap noch sichtbarer

    Wenn der Unterricht um 12:00 Uhr endet, wird der Stundenplan schnell zur Gleichstellungsbremse. Die entstehende Betreuungslücke wird innerhalb der Familie geschlossen – und noch immer sind es überwiegend Frauen*, die diese Rolle übernehmen und dafür ihre Vollzeitstellen gegen eine Teilzeitstelle tauschen oder gar komplett aus dem Beruf aussteigen. Fehlende Betreuungsinfrastruktur trägt somit dazu bei, traditionelle Rollenverteilungen zu verfestigen. 

    Der Gender-Care-Gap ist nicht (nur) das Ergebnis persönlicher Entscheidungen. Politische und infrastrukturelle Rahmenbedingungen bestimmen mit, wer Zeit für Erwerbsarbeit hat und wer sich nach Kindergarten- und Schulschluss richten muss. Ein flächendeckendes, ganztägiges und ganzjähriges Betreuungsangebot ist damit nicht nur Familienpolitik, sondern eine wesentliche Voraussetzung für echte Gleichstellung.

    Vom Gender-Care-Gap über den Gender-Pay-Gap hin zum Gender-Pension-Gap 

    Die Folgen für die Frauen, die die Betreuung übernehmen: weniger Geld, schlechtere Karrierechancen, weniger Beitragsjahre, niedrigere Pensionen u. v. m. Laut Arbeiterkammer Wien liegt die Teilzeitquote von Frauen in Regionen mit geringerer Bevölkerungsdichte bei fast 55 Prozent, in bevölkerungsreichen Regionen hingegen bei „nur“ 45 Prozent. 

    Teilzeitarbeit kann eine bewusst gewollte und frei gewählte Entscheidung sein. Wenn sie allerdings strukturell entsteht, wird sie zum Problem: in erster Linie zu einem ganz persönlichen Problem mit fatalen Auswirkungen für Frauen.

    Betreuungslücken endlich schließen

    Ein flächendeckendes, leistbares, ganztägiges und ganzjähriges Betreuungsangebot ist nicht nur eine Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es ist eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Unabhängigkeit und tatsächliche Gleichstellung. Solange Betreuungslücken vorwiegend von Frauen geschlossen werden, bleibt auch das Patriarchat weiterhin am Stundenplan.

    Verfasst von: Manuela