Autor: Rosamaria Riegler

  • Die Zeit, die uns fehlt

    Die Zeit, die uns fehlt

    1973/74 diskutierte die Frauenbewegung über eine heiß umstrittene Forderung: Lohn für Hausarbeit. Ingrid Strobl, eine österreichische Journalistin, sprach sich damals dagegen aus. Nicht, weil Hausarbeit keine Arbeit wäre – sondern, weil sie fürchtete, ihre Bezahlung würde Frauen erst recht auf ihre Rolle im Haushalt festlegen.

    Besonders ein Satz von ihr ist dabei hängen geblieben: Strobl kritisiert, die Frau sei „automatisch Hausfrau, alles andere ist sie zusätzlich. So wird sie gesehen, erzogen, behandelt”. Wenn man sich die Lage der Frauen heute anschaut, kann man nur sagen: Unglaublich eigentlich, dass sich so wenig geändert hat. Strobl spricht damals schon von der Doppelbelastung und der „80-Stunden-Woche der berufstätigen Hausfrau und Mutter“!

    50 Jahre später können wir ihren Text auch aus einer anderen Perspektive lesen: Nicht nur als Auseinandersetzung darüber, was Hausarbeit wert ist, sondern auch darüber, wie unsere Zeit verteilt ist. Denn das Problem ist nicht, dass wir Zeit mit Haus- und Sorgearbeit verbringen. Das Problem beginnt, wenn dadurch Lebenschancen, Möglichkeiten, Kapital, Freiheit und Selbstbestimmung im Vergleich zu unseren männlich sozialisierten Mitmenschen verloren gehen. 

    Denn: Jede Stunde, die wir Frauen* mehr Zeit für Carearbeit aufwenden als Männer (und ja, Carearbeit ist absolut wichtig und wertvoll, das bleibt unbestritten), ist gleichzeitig eine Stunde, die uns für Arbeit und Karriere, Ehrenamt, politische Beteiligung, Bildung und Netzwerke, Freundschaften, Hobbys oder einfach für uns selbst weniger zur Verfügung steht.

    Und das fehlt uns am Ende des Tages. Ja, das holt uns ein, das prägt uns, das entscheidet über unseren Lebensweg –  – und das zeigt sich schwarz auf weiß am monatlichen Gehaltszettel.

    Ein Appell an euch: Lest euch den Text von Ingrid Strobl durch. Es kommt einem fast so vor, als wäre er heute geschrieben worden. Man spürt das Feuer, die Wut und die Verzwicktheit der Lage. Man spürt die große Ungerechtigkeit und die Verzweiflung. Und vor allem: Man spürt, dass wir uns in eine lange Reihe von Frauen einreihen, die bereits vor Jahrzehnten, ja Jahrhunderten, für dieselben Themen gekämpft haben, die dasselbe gefühlt haben und deren Kampf für Zeit – Geld – Gerechtigkeit wir heute stolz und eindringlich fortführen müssen. 

    Text von: Romi

    → Ingrid Strobl: Wider den Hausfrauenlohn! (1975)

  • Rede von der Kundgebung gegen Femizide in Graz

    Rede von der Kundgebung gegen Femizide in Graz

    Femizide sind der gewaltsame, endgültige Raub von Lebenszeit. Sie passieren nicht im passiven Sinne, sondern Frauen* wird ihre Lebenszeit gezielt, gewaltsam und aufgrund ihres Geschlechts genommen. Weil wir diesen Raub von Lebenszeit nicht schweigend hinnehmen, teilen wir hier das Manuskript der Rede von Aleksandra von der jüngsten Kundgebung gegen Femizide in Graz (07.09.2026). 

    “Wir stehen heute hier, weil wir wütend sind. Schon wieder oder noch immer. Wir stehen heute hier, weil wir traurig sind, schon wieder oder noch immer. Die Zeitfenster zwischen den Femiziden fühlen sich an, wie ein ständiges Warten auf den nächsten. Denn dass er passiert ist mittlerweile in Österreich unfassbar traurige Realität – und scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.

    Und genau das macht uns wütend.

    Wir sind es leid, immer wieder für dieselben Grundrechte auf die Straße gehen zu müssen. Wir, Frauen* & FINTA Personen, sind es leid, Kämpfe austragen zu müssen, die eigentlich endlich von den Personen geführt werden sollen, die die Hauptverantwortung dafür tragen – Männer & Politiker*innen. Patriarchale Strukturen, patriarchale Gewalt, machen unser Leben unerträglich.

    Ich bin es so leid, neben meinem Job, neben feministischer Erziehung meiner Söhne, neben Care-Arbeit auch noch diese Arbeit machen zu müssen, nämlich den Entscheidungsträger*innen in Österreich, den Männern und anderen Menschen, die mir erzählen, dass Feminismus ein Randphänomen ist, welches niemand mehr braucht, erklären zu müssen, wie stark wir alle täglich unter patriarchaler Gewalt leiden. 

    Wie ungerecht das ist.
    Wie müde es uns macht.
    Und wie lange wir schon darauf warten, dass endlich gehandelt wird.

    Erst vor wenigen Tagen hat wieder ein Mann hier in Graz eine Frau ermordet. Wieder ein Femizid. Wieder ein Leben, das ausgelöscht wurde, weil ein Mann Kontrolle und Besitzansprüche über einen weiblichen Körper stellen zu müssen glaubte.

    Als Demobündnis 8. März Graz kämpfen wir seit Jahren Seite an Seite für Geschlechtergerechtigkeit. Wir protestieren, wir organisieren, wir klären auf, wir fordern Veränderungen. Wir geben nicht auf, egal, wie müde wir sind. Und wir wissen: Gewalt beginnt nicht erst mit einem Mord.

    Sie beginnt dort, wo Kontrolle als Liebe verkauft wird.
    Wo Besitzansprüche als Eifersucht entschuldigt werden.
    Wo sexualisierte Gewalt verharmlost wird.
    Wo Betroffenen nicht geglaubt wird.
    Wo Männer lernen, dass Wut und Dominanz zu ihrer Rolle gehören.
    Und wo Institutionen wegsehen, obwohl Betroffene längst um Hilfe bitten.

    Deshalb kämpfen wir nicht nur gegen einzelne Täter. Wir kämpfen gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse, die patriarchale Gewalt hervorbringen und reproduzieren. Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der niemand Angst haben muss, Nein zu sagen. In der niemand seine Freiheit verliert, weil frau* eine Beziehung beendet. In der niemand aufgrund seines Geschlechts oder seiner Identität Gewalt erfahren muss. Und wir kämpfen dafür, dass Schutz vor Gewalt nicht davon abhängt, wie laut Betroffene ihre Not erklären können. Dass Hilfe nicht erst dann kommt, wenn es zu spät ist. Und dass politische Verantwortung nicht mit Betroffenheitsbekundungen endet.

    Wir sind traurig und wütend zugleich.

    Unsere Wut ist keine Resignation. Unsere Wut ist unser Antrieb.

    Wir vom Demobündnis werden nicht leise sein. Wir werden nicht weichen, solange das System uns nicht schützt, schützen wir uns gegenseitig. Solidarität und Empathie sind unsere stärksten Waffen.

    Wir bleiben laut. Wir bleiben solidarisch. Wir bleiben unbequem.”

    Text von: Aleksandra

  • Das Patriarchat am Stundenplan

    Das Patriarchat am Stundenplan

    In wenigen Tagen ist es wieder so weit: Die Schule beginnt und somit steigt auch der Mental Load und die unbezahlte Carearbeit – hauptsächlich von Frauen. Denn laut dem Österreichischen Institut für Familienforschung sehen sich nur 11 Prozent der Väter als Hauptverantwortliche für die Kommunikation mit der Schule oder schulische Belange. Das bedeutet, den Löwenanteil tragen wie so oft die Mütter.

    Elternabende, Schulveranstaltungen, Lehrer*innengespräche, Unterstützung bei den Hausaufgaben und beim Lernen, Fahrdienste, Organisation von Schulmaterialien – das alles und noch viel mehr hängt ab September wieder überwiegend an Frauen, die das alles neben der eigenen Erwerbsarbeit und dem Haushalt mitschupfen. 

    Am Land ist dann auch noch die Nachmittagsbetreuung zu organisieren, da Betreuungsplätze fehlen und Eltern den Nachmittag mit abdecken müssen. Nur zwischen 18 und 25 Prozent aller Schüler*innen am Land sind in Ganztagsschulen bzw. in einer schulischen Nachmittagsbetreuung untergebracht.  

    Schule macht Gender-Care-Gap noch sichtbarer

    Wenn der Unterricht um 12:00 Uhr endet, wird der Stundenplan schnell zur Gleichstellungsbremse. Die entstehende Betreuungslücke wird innerhalb der Familie geschlossen – und noch immer sind es überwiegend Frauen*, die diese Rolle übernehmen und dafür ihre Vollzeitstellen gegen eine Teilzeitstelle tauschen oder gar komplett aus dem Beruf aussteigen. Fehlende Betreuungsinfrastruktur trägt somit dazu bei, traditionelle Rollenverteilungen zu verfestigen. 

    Der Gender-Care-Gap ist nicht (nur) das Ergebnis persönlicher Entscheidungen. Politische und infrastrukturelle Rahmenbedingungen bestimmen mit, wer Zeit für Erwerbsarbeit hat und wer sich nach Kindergarten- und Schulschluss richten muss. Ein flächendeckendes, ganztägiges und ganzjähriges Betreuungsangebot ist damit nicht nur Familienpolitik, sondern eine wesentliche Voraussetzung für echte Gleichstellung.

    Vom Gender-Care-Gap über den Gender-Pay-Gap hin zum Gender-Pension-Gap 

    Die Folgen für die Frauen, die die Betreuung übernehmen: weniger Geld, schlechtere Karrierechancen, weniger Beitragsjahre, niedrigere Pensionen u. v. m. Laut Arbeiterkammer Wien liegt die Teilzeitquote von Frauen in Regionen mit geringerer Bevölkerungsdichte bei fast 55 Prozent, in bevölkerungsreichen Regionen hingegen bei „nur“ 45 Prozent. 

    Teilzeitarbeit kann eine bewusst gewollte und frei gewählte Entscheidung sein. Wenn sie allerdings strukturell entsteht, wird sie zum Problem: in erster Linie zu einem ganz persönlichen Problem mit fatalen Auswirkungen für Frauen.

    Betreuungslücken endlich schließen

    Ein flächendeckendes, leistbares, ganztägiges und ganzjähriges Betreuungsangebot ist nicht nur eine Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es ist eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Unabhängigkeit und tatsächliche Gleichstellung. Solange Betreuungslücken vorwiegend von Frauen geschlossen werden, bleibt auch das Patriarchat weiterhin am Stundenplan.

    Verfasst von: Manuela

  • 6 Wochen weniger Freizeit pro Jahr

    6 Wochen weniger Freizeit pro Jahr

    Laut einer Studie haben Väter täglich durchschnittlich 37 Minuten mehr Freizeit als Mütter. Dieses ungleiche Verhältnis in der Freizeitgestaltung zwischen den Geschlechtern nennt man den Gender-Freizeit-Gap. Frauen, insbesondere Mütter, haben in der Regel viel weniger Zeit für Erholung, Hobbys oder soziale Aktivitäten als Männer.

    Die Zeitverwendungserhebung der Statistik Austria gibt Aufschluss darüber, wie sich bezahlte und unbezahlte Arbeit sowie Freizeit in der Gesellschaft verteilen. Die meiste freie Zeit haben Frauen dann, wenn sie allein in einem Haushalt ohne Kinder leben. Laut den Daten aus dem Jahr 2021/22 betrug die Freizeit rund sechs Stunden und 21 Minuten pro Tag, bei alleinlebenden Männern waren es im Schnitt nur fünf Minuten mehr.

    Ab dem Zeitpunkt, wo Paare (ohne Kinder) zusammen in einem Haushalt leben, geht die Schere weit auseinander: Frauen haben dann im Durchschnitt nur mehr fünf Stunden und 45 Minuten, Männer hingegen sechs Stunden und 37 Minuten Freizeit.

    Kommen Kinder hinzu, sinkt die freie Zeit zwar für beide Elternteile, für Mütter bedeutet der Nachwuchs jedoch einen größeren Einschnitt. Sie haben laut Studie nur mehr vier Stunden und 38 Minuten für sich selbst zur Verfügung, Väter kommen laut der Statistik auf immerhin fünf Stunden und 15 Minuten. Daraus ergibt sich ein tägliches Plus von 37 Minuten mehr Freizeit für Männer.

    Persönliche Anmerkung der Autorin: Ich bin Mama eines dreijährigen Kindes und hatte seit der Geburt nie viereinhalb Stunden Freizeit pro Tag für mich. Ich bin mir sicher, dass es vielen Müttern genauso geht, aber an der Studie haben auch Mütter älterer Kinder teilgenommen. Freie Zeit hatte ich persönlich erst wieder, nachdem ich mich vom Kindesvater getrennt habe und dieser sein Kontaktrecht wahrnimmt. Schön, wieder einmal durchatmen zu können.

    „Auf ein Jahr gerechnet haben Frauen im Schnitt sechs Arbeitswochen weniger Freizeit, wenn man von einer 38,5-Stundenwoche ausgeht“, erklärt Sophie Achleitner, Gleichstellungsexpertin am gewerkschaftsnahen Momentum-Institut. Hinzu kommt laut der Expertin, dass Frauen seltener Zeit allein, also ohne ihren Nachwuchs, verbringen. Väter jedoch, haben täglich etwa zweieinhalb Stunden nur für sich. Bei Müttern ist es mit einer Stunde und 49 Minuten um ein Viertel weniger.

    „Die Verteilung von Freizeit und unbezahlter Arbeit steht in einem direkten Zusammenhang“, sagt Expertin Achleitner. „Weil Frauen den Großteil der Tätigkeiten im Haushalt sowie Betreuungspflichten für Kinder oder Angehörige übernehmen, haben sie weniger freie Zeit für sich selbst zur Verfügung“. Und daran habe sich in den vergangenen Jahrzehnten wenig geändert.

    Während in den 1980er-Jahren Männer in Österreich etwa eineinhalb Stunden unbezahlte Haushalts- und Sorgearbeit pro Tag leisteten, stieg die dafür aufgewandte Zeit in den 1990er-Jahren auf knapp zwei Stunden an. Laut der aktuellen Zeitverwendungsstudie waren es im Erhebungszeitraum 2021/22 im Schnitt zwei Stunden und sechs Minuten, im Gegensatz dazu wenden weibliche Befragte täglich drei Stunden 36 Minuten (eineinhalb Stunden mehr!) für unbezahlte Sorgearbeit auf. Das heißt, wir haben hier seit 30 Jahren einen Stillstand!

    Verfasst von: Johanna

  • Buchempfehlungen

    Buchempfehlungen

    Wer kennt es nicht: alle brauchen etwas – und am Ende bleibt wenig Zeit für sich selbst. Diese Bücher beschäftigen sich mit Care-Arbeit, Feminismus und dem Wunsch nach gerechter Verteilung, nach einem anderen Miteinander. Ob dir das Kaufen, Ausborgen oder Tauschen, die Papierform oder die Online-Version zusagt – schöne Lesezeit!

    Es gibt immer noch viel zu viel Ungerechtigkeit und strukturelle Hürden im Leben weiblicher* Personen sowie (Partner-) Gewalt gegen Frauen* in unserer Welt! Maria Rösslhumer und Eva Surma stoßen mit kraftvollen Aussagen, Fakten und lyrischen Texten in ihrem Sachbuch “Wenn Frauen zu sehr schuften. Vom Wunsch, die Welt zu retten.” zum Nachdenken an. Die beiden feministisch aktiven Frauen hatten gleichzeitig ein herausforderndes Jahr durchlebt und beschließen, ein Buch über die Ungleichheiten zwischen Männern* und Frauen* zu verfassen. Sie geben Einblick in ihr feministisches Wirken, erzählen starke persönliche Geschichten, diskutieren die Rolle von (unbezahlter) Arbeit im Leben von Frauen, Gewalt und inspirieren. 

    “Und alle so still” von Mareike Fallwickl – ein Roman. Was geschieht, wenn das System um Care-Arbeit nicht mehr funktioniert, wenn Frauen – die immer noch den Großteil davon leisten – aufhören sich zu kümmern? Wenn Menschen, die die Gesellschaft aufrechterhalten, einfach nicht mehr wollen oder können?  

    7 verschiedene Frauen, 7 verschiedene Perspektiven, 7 Essays – ob Mutterschaft, Christentum, Islam, Queerness, ob Patriarchat, Streit, Politik oder Alltag: alle Themen verbindet eines und zwar der Feminismus. Mit den gemeinsamen Zielen des intersektionalen Feminismus und Gleichberechtigung bietet das Buch “Heute ist ein guter Tag, das Patriarchat abzuschaffen”, herausgegeben von Bettina Schulte, Diversität und schafft Bewusstsein. 

    Der 24. Oktober 1975 bewegte in Island so einiges. In “Der Tag als die Frauen streikten” erzählt Linda Ólafsdóttir von den Frauen*, die an dem Tag ihre Arbeit niederlegten und den Auswirkungen davon. Ob für jemanden mit wenig Zeit zu Lesen, zum gemeinsamen Lesen mit Kindern oder Enkelkindern oder als eindrucksvoll aufbereitete Erzählung des Frauenstreiks in Island, das Sachbilderbuch wird ab 6 Jahren empfohlen. Es erhielt 2025 den deutschen Jugendliteraturpreis und zeigt, was Frauen* gemeinsam bewirken und erreichen können. 

    Verfasst von: Hannah

  • Die Hitze der Ungleichheit

    Die Hitze der Ungleichheit

    Keine:r kommt um das Thema Klimawandel herum, wenn ein Sommer wie heuer am laufenden Band Hitzerekorde bricht und mensch mit summendem Ventilator mehr dahinvegetiert als lebt.

    Aber trifft die Klimakrise alle Menschen gleich?

    Die Antwort ist klar: Absolut nicht. Besonders betroffen sind die ärmsten Menschen und Länder der Welt – und diese Ungleichheit hat auch eine Geschlechterdimension. Frauen sind weltweit überproportional von Armut und damit auch von den Folgen des Klimawandels betroffen.

    Aber das ist noch nicht alles: Frauen* trifft es sogar doppelt. Sie haben aufgrund diskriminierender Strukturen auch weniger Möglichkeiten, sich an Umweltveränderungen anzupassen. Denn Anpassung hängt von Faktoren wie Wohlstand, Bildung, technologischen Möglichkeiten und dem Zugang zu Informationen ab – Ressourcen, bei denen Frauen durchwegs schlechter aussteigen. [1]

    Diese eingeschränkten Anpassungsmöglichkeiten wiegen besonders schwer, weil Frauen weltweit zentrale Aufgaben für die Versorgung ihrer Gemeinschaften übernehmen. Das zeigt sich besonders in vielen Regionen des Globalen Südens, wo der Klimawandel am härtesten zuschlägt: Frauen leisten dort einen wesentlichen Beitrag zu Landwirtschaft und Ernährungssicherung, besitzen aber deutlich seltener Landrechte, Eigentum und Zugang zu Produktionsmitteln. Gleichzeitig tragen Frauen weltweit den Großteil der un(ter)bezahlten Sorge- und Care-Arbeit und sind in sozialen und politischen Entscheidungsprozessen – einschließlich der globalen Klimapolitik – strukturell unterrepräsentiert. [2]

    Die Klimakrise ist kein geschlechtsneutrales Problem. Sie trifft Frauen aufgrund bestehender Machtverhältnisse besonders hart und verschärft soziale und geschlechtsspezifische Ungleichheiten – und genau deshalb sind feministische Perspektiven, feministische Beteiligung und feministische Lösungen eigentlich besonders wichtig. Oder, wie Mary Robinson, ehemalige Präsidentin Irlands und UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, es formuliert:

    „Climate Change Is a ‘Man-Made’ Problem and Must Have a Feminist Solution.“

    Auch wenn FRAUEN*Streiken in Österreich stattfindet, ist doch jeder feministische Streik – so sehe ich es – auch immer ein Streik für ALLE Frauen*. Am 03.05.2027 streike ich daher gegen all die himmelschreienden Ungerechtigkeiten, mit denen wir Frauen* auf globaler Ebene leben müssen, die wir – wie jetzt im Klimawandel – auch überleben müssen.

    Und wofür kämpfst du?

    Text verfasst von: Romi

    Quelle:
    [1] Caglar, Gülay; Castro Varela, Maria do Mar; Schwenken, Helen: Geschlecht – Macht – Klima: Feministische Perspektiven auf Klima, gesellschaftliche Naturverhältnisse und Gerechtigkeit. Opladen, Berlin, Toronto: 2012, S. 80f.
    [2] Ebda. S. 119.


  • Ein Land steht still

    Ein Land steht still