In Tirol sitzt seit Mitte April ein 44-Jähriger in Untersuchungshaft, der im Verdacht steht, seine Lebensgefährtin wiederholt betäubt und vergewaltigt zu haben. Es ist der zweite bekannte Fall dieser Art in Österreich, die Ermittlungen laufen.
Der Fall erinnert sofort an Giséle Pelicot, jene Französin, die ihr Schicksal mutig öffentlich gemacht hat. Sie hat sich im Prozess gegen ihren Ex-Mann und 50 (!) Mitangeklagte gegen die Anonymität im Strafprozess entschieden.
Fast zehn Jahre lang hatte ihr damaliger Ehemann Dominique Pelicot sie immer wieder betäubt, vergewaltigt und seine Taten gefilmt. Zudem verabredete er sich über das Internet mit anderen Männern und lud diese zu sich nach Hause ein, um seine Frau vergewaltigen zu lassen. Alle Angeklagten wurden im Dezember 2024 im Gericht von Avignon schuldig gesprochen.
Seitdem weiß man, dass es weltweit Männer gibt, die ihre Partnerinnen betäuben und vergewaltigen. In Chatgruppen im Internet tauschen sich die Männer untereinander zu diesen perfiden Taten aus und spornen sich gegenseitig dazu an. In Österreich ist am 18. Juli der zweite Fall öffentlich geworden.
Der erste Fall war im Februar vorigen Jahres in Bruck an der Leitha bekannt geworden. Der Mann sedierte seine Partnerin, vergewaltigte sie und tauschte sich darüber mit einem Mann in Deutschland aus. Der Täter wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Gemäß § 201 Absatz 1 StGB beträgt die Strafdrohung bei Vergewaltigung zwei bis zehn Jahre, wenn die Tat besonders schwerwiegend war (Absatz 2), beträgt die Strafdrohung 5 bis 15 Jahre. Wovon das Gericht hier ausging, ist mir leider nicht bekannt.
Der Fall in Niederösterreich kam allein durch jahrelange Recherchen zweier deutscher Journalistinnen auf. Diese deckten ein internationales Vergewaltigungsnetzwerk mit zahlreichen deutschsprachigen mutmaßlichen Tätern auf.
Das Opfer war völlig ahnungslos. Bis zur Befragung durch Polizisten, die ihr Fotos von sich selbst, sediert, zuhause auf ihrer Couch, zeigten, dachte die Frau, sie und ihr Partner würden eine harmonische Beziehung führen.
Die Tatzeiträume konnten anhand der Chats der beiden Männer konkretisiert werden. Ein Abgleich mit dem Arbeitskalender der Frau zeigte, dass sie immer dann, wenn es zu einer Tat gekommen ist, im Krankenstand war, es ihr schlecht ging, sie teilweise auch Erinnerungslücken hatte, nicht mehr wusste, wie sie am Vorabend ins Bett gekommen ist.
Einmal musste die Frau sogar ins Krankenhaus. „Da war sie gerade frischgebackene Mutter und ist in ihrem Wohnhaus fast die Treppen hinuntergestürzt, weil sie bewusstlos geworden ist. Ihr Partner musste ihr da erlauben, ins Krankenhaus zu gehen“, so Sonja Aziz (die Anwältin des Opfers). „Man hat sie dort untersucht und hat im Urin Benzodiazepine festgestellt. Sie als junge Mutter konnte sich das überhaupt nicht erklären, man drohte dann schon fast mit dem Jugendamt und hat auch ihren Partner gefragt. Der hat einfach verneint, er könne sich das auch nicht erklären.“
Wie kann das sein? Wie kommt ein Mann einfach so an verschreibungspflichtige Psychopharmaka? Medikamente, die so stark sind, dass sie bis zur Bewusstlosigkeit führen und die er selbst offensichtlich nicht einnimmt. Warum fällt das dem/der verordnenden Arzt/Ärztin nicht auf?
Dem medizinischen Personal im Krankenhaus kann kein wirklicher Vorwurf gemacht werden, denn dieses war/ist bisher nur auf andere Arten von Sexualdelikten geschult. Bei einer vermuteten Vergewaltigung gibt es zwar eigene Leitfäden² für die Vorgehensweise, Checklisten und Dokumentationspflichten. Für diese fassungslos machende Art von Taten wird hoffentlich schnell mehr Bewusstsein erzeugt, geschult und Leitfäden ergänzt.
Bisher sind diese beiden Fälle in Österreich bekannt. Bedauerlicherweise wird eine hohe Dunkelziffer vermutet.
Liebe wunderbaren Frauen* da draußen, lasst uns diesen Sommer dazu nutzen, Ideen zu sammeln. Ideen, wie man seine Freundin, Nachbarin, Arbeitskollegin darauf ansprechen kann, dass einem etwas merkwürdig vorkommt, um dadurch Wiederholungen solcher Taten zu verhindern, schneller draufzukommen. Und auch, wie man Betroffenen am besten helfen kann (Nein, ich vertraue nicht auf das staatliche System hierfür).
Lasst eure Idee gerne in einem Kommentar hier im Blog da oder schreibt uns per Mail an: newsletter@frauenstreiken.at.
Die gesammelten Ideen, die uns bis zum 31. August erreichen, werden wir im Herbst veröffentlichen.
Text verfasst von: Johanna
Quellen:
1: https://tirol.orf.at/stories/3363207/
2: https://oeggg.at/wp-content/uploads/2022/08/Leitfaden-Vorgehen-bei-Sexualdelikten.pdf