Doris Dirnberger schreibt über Zeit – wem sie gehört und was sie mit uns macht.
LEBEN
das leben rinnt an uns hinab wie honig
golden, süss und zäh
und bleibt etwas hängen
ein mensch, gedanken
gefühle, ein weh
so sickert es ein
nimmt gefangen
durchtränkt
unser sein
LEBENSzeit
der regen flüstert, tuschelt, klopft
und nicht ein stern der wacht
das wasser zeichnet, rinnt und tropft
ich will nicht schlafen heute nacht
kostbar und so leicht vergeudet
erscheint mir jede stunde heut
was ist wichtig-wer entscheidet
wer genießt und wer bereut
wie viel zeit ist mir gegeben
wer weiß wie lange meine kerze brennt
wie bunt noch dieses eine leben
und keiner der die antwort kennt
zeit
ich glaube nicht daran
dass die zeit
unsere wunden heilen kann
meisterhaft
mit
kleisterkraft
beklebt sie tag für tag
was uns verletzt
wiegt uns in sicherheit
bis etwas kommt
das all das schützende herunter fetzt